Werkzeuge des Schlüsseldienstes – Mehr als nur ein Dietrich

Die Werkzeuge des Schlüsseldienstes üben eine große Faszination aus. Oft reichen dem Schlüsseldienst wenige Augenblicke und eine Tür oder ein Schloss ist offen. Grund genug, sich das Werkzeug, die sogenannten „Picks“, genauer anzuschauen. Welche Lockpick-Arten gibt es und wie werden sie beim Lockpicking und Aufsperren eingesetzt?

Typische Werkzeuge des Schlüsseldienstes

Dietrich, Türfallengleiter & Co.

Einige Werkzeuge des Schlüsseldienstes sind nahezu jedem bekannt. Insbesondere der Dietrich ist ein echter Klassiker und wird bereits seit Jahrhunderten verwendet. Der Dietrich ist quasi ein Nachschlüssel und lässt sich sogar recht einfach selbst herstellen. Man benötigt für die Herstellung eines Dietrichs lediglich einen Nagel und etwas Zeit, um ihn entsprechend herzurichten. Mit dem Dietrich lassen sich einfache Schlösser, wie zum Beispiel die von Zimmer- oder Kellertüren, öffnen. Als Alternative zum Öffnen dieser Schlösser können auch Öffnungsnadeln benutzt werden, die ähnlich wie ein Dietrich eingesetzt werden.

Ist die Wohnungstür nicht abgeschlossen worden, kann auch ein Türfallengleiter weiterhelfen. Das Wirkungsprinzip eines Türfallengleiters ist das Gleiche wie beim Öffnen einer Tür mit einer Scheckkarte. Man schiebt den Türfallgleiter oder die Scheckkarte zwischen Tür und Türrahmen drückt damit die Falle des Schlosses zurück, sodass sich die Tür öffnet. Das Öffnen einer nicht verschlossenen Tür geht mit diesen Werkzeugen auf jeden Fall schnell und einfach vonstatten. Der Vorteil eines professionellen Türfallengleiters gegenüber einer Scheckkarte ist, dass der Türfallengleiter bereits die richtige Biegung aufweist und gegenüber einfacher Scheckkarten deutlich stabiler ist.

Eine unverschlossene Tür kann man, wenn ein Türspion vorhanden ist, ebenfalls leicht mit einem Lockoff öffnen. Um dieses Werkzeug zu benutzen entfernt man den Türspion und führt den Lockoff dann über das Loch des Türspions ein. Anschließend nutzt man den Lockoff um die Türklinke zu betätigen.

Hilft allerdings keines dieser Werkzeuge des Schlüsseldienstes, kann im Ernstfall auch der Türspreizer eingesetzt werden. Verbunden mit etwas roher Gewalt hilft der Türspreizer beim Öffnen einer Tür in dem er das Anheben und Abspreitzen ermöglicht, wodurch dann wieder der Einsatz von Zubehörwerkzeugen erleichtert wird. Die Tür und die Türangeln kommen dabei zu schaden, weshalb im Regelfall auch nur in Notsituationen ein Türspreizer zum Einsatz gebracht wird, beispielsweise wenn ein Menschenleben in Gefahr ist. Allerdings gibt auch andere Lockpick-Arten neben Dietrich, Türfallgleiter und Lockoff mit denen sich Schlösser knacken und Türen öffnen lassen.

Ein Lockpick für jeden Fall

Verschiedene Lockpicks dienen der Manipulation unterschiedlicher Schlösser

Verschiedene Lockpicks dienen der Manipulation unterschiedlicher Schlösser

Weitere typische Werkzeuge und Picks des Schlüsseldienstes sind:
•der Spanner,
•der Hook,
•die Schlange und
•der Schneemann sowie
•der Extractor.

Mit dem Extractor lassen sich Teile eines abgebrochenen Schlüssels aus einem Schloss entfernen. Die Lockpicks Spanner, Hook, Schlange und Schneemann aus der Aufzählung eignen sich insbesondere zum Öffnen von Schließzylindern. Der Spanner bringt zum Beispiel den Zylinderkern auf Spannung und dient später zum Drehen. Mit dem Hook werden die einzelnen Stifte des Schlosses gesetzt. Mit der Schlange, die leicht an der geschlängelten Form ihrer Spitze erkannt werden kann, ist es wiederum möglich, im Idealfall mehrere Stifte gleichzeitig zu setzen.

Die Schlange wird vor allem beim sogenannten „Harken“ verwendet (mehr über das Harken und andere Aufsperrtechniken findest Du hier). Zum Harken kann ebenfalls der Schneemann benutzt werden. Der Schneemann ist, wie die Schlange, leicht zu erkennen, kann im Gegensatz zur Schlange aber nicht nur zum Öffnen von Schließzylindern sondern auch zum Öffnen von Scheibenzuhaltungsschlössern genutzt werden.

Bevor der Schlüsseldienst seine Lockpicks zum eigentlichen Lockpicking einsetzt, greift er aber zumeist zum Halbdiamanten. Mit diesem Werkzeug des Schlüsseldienstes lässt sich nämlich herausfinden, über wie viele Sperrstifte ein Schloss verfügt. Erst mit dem Halbdiamanten lassen sich also die übrigen Werkzeuge des Schlüsseldienstes effektiv nutzen!

Sonstige Werkzeuge des Schlüsseldienstes

Kommt man nicht zur Tür herein, kann im Einzelfall auch ein Fensteröffner dabei helfen um Ausgesperrten Eintritt in die eigenen vier Wände zu gewähren. Fensteröffner gibt es dabei in verschiedenen Ausführungen. Manche bestehen lediglich aus einem Gestänge, mit dem sich der Griff von außen betätigen lassen soll. Andere bestehen aus einem Zylinder, einer Kugel und einem Draht, mit denen das Fenster zunächst geschlossen wird, um anschließend den Knauf drehen zu können. Immer öffnet man mit diesen Werkzeugen Fenster, die bereits gekippt sind, von außen.

Bei Schlüsseldiensten ansonsten sehr beliebt ist der Elektropick oder kurz: E-Pick. Mit dem Draht dieser Apparatur werden die Kernstifte in Vibration versetzt, bis dadurch alle Sperrelemente in die richtige Position gebracht wurden. Dabei kommt das Perkussionsprinzip zum Einsatz, wie auch bei der sogenannten „Sperrpistole“. Die Sperrpistole unterscheidet sich insofern nur dadurch vom E-Pick, dass sie per Hand betrieben wird – das Schloss wird quasi aufgeschossen. Beide dieser Werkzeuge des Schlüsseldienstes erfordern allerdings etwas Übung um die Tür zu öffnen und führen nicht immer zum Erfolg.

Weiterhin bietet sich bei sehr einfachen Zylinderschlössern, den Stiftschlössern, auch ein Schlagschlüssel zur Öffnung an. Mit dem Schlagschlüssel lassen sich die entsprechenden Schlösser nahezu spurenlos öffnen – es wird nur etwas Übung benötigt. Solche Schlagschlüssel sind für nahezu jeden Zylindertyp erhältlich und lassen sich im Zweifelsfall auch selbst herstellen. Mittlerweile sind allerdings die meisten Stiftschlösser gegen den Einsatz solcher Werkzeuge des Schlüsseldienstes gesichert.