Schließanlagen im Überblick – Bauarten und Typen

Von einer Schließanlage spricht man, wenn es ein System aus Schlüsseln und Schließzylindern gibt, die miteinander verbunden sind. In einer Schließanlage kann also ein Schlüssel mehrere Schlösser öffnen.

Mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Schlössern und Schlüsseln kam bald auch der Bedarf nach Schließanlagen auf. Man stelle sich nur einen Sicherheitsdienst bei einer großen Firma vor – dieser müsste, ohne eine Schließanlage, mehrere hundert Schlüssel mit sich herumtragen, um nach Dienstende die Räume zu kontrollieren. Schließanlagen gehören mittlerweile allerdings nicht mehr nur im beruflichen Umfeld zum Standard, sondern bieten auch in Privathaushalten erhöhten Komfort.

Der größte Vorteil von Schließanlagen ist, dass mit einem einzigen Schlüssel mehrere verschiedene Schlösser geschlossen und wieder geöffnet werden können. Dadurch wird der Schlüsselbund schlanker und die Suche nach dem richtigen Schlüssel verkürzt. Außerdem bietet eine Schließanlage die Möglichkeit, verschiedene Zutrittsberechtigung über unterschiedliche Schlüssel zu regeln. Je nach Bedarf können also verschiedenen Mitarbeitern oder Hausbewohnern zu unterschiedlichen Räumen Zutritt gewährt werden.

Bauarten von Schließanlagen

Bei den Bauarten lassen sich grundsätzlich Schließanlagen mit mechanischen und mechatronischen Schließzylindern unterscheiden. Mechanische Schließanlagen werden zusätzlich in solche mit konventionellem System und mit Wendeschlüsselsystem unterteilt.

Mechanische Schließanlagen

Mechanische Schließanlagen werden heutzutage am häufigsten genutzt. Gleichzeitig handelt es sich bei ihnen um den einfachsten Typ einer Schließanlage. Sie bestehen aus Schlüsseln mit unterschiedlichen Profilen und zugehörigen Zylindern, wobei die Zugehörigkeit entsprechend vor Einbau berechnet werden muss. Das bedeutet, es gibt nur eine fixe Anzahl an Schlüsselprofilen und Schließzylindern. Eine nachträgliche Erweiterung um einen zusätzlichen Schließzylinder für eine weitere Tür ist in den meisten Fällen nicht möglich, es sei denn dies wurde bereits bei der Konzeption der Schließanlage berücksichtigt.

Mechanische Schließanlagen kommen mit konventionellem System oder mit Wendeschlüsselsystem daher. Ein Wendeschlüsselsystem ist ein solches, in dem der Schlüssel auch in einer quasi Kopfüber gedrehten Position in das Schlüsselloch eingeführt und abgezogen werden kann. Dadurch ergibt sich ein höherer Bedienkomfort.

Zusätzliche Sicherheitsmerkmale

Mechanische Schließanlagen können außerdem mit Sicherheitsmerkmalen ausgestattet werden, wie zum Beispiel mit einem Kopierschutz. Dieser wird auf dem Schlüssel markiert, wodurch der Schlüssel nur mit einer entsprechenden Kopiererlaubnis beim Schlüsseldienst nachgemacht werden kann. Mehr über die Kennzeichnungen von Schlüsseln erfährst Du hier.

Bei Schlüsselverlust

Ist der Schlüssel einer mechanischen Schließanlage eindeutig gekennzeichnet, also zum Beispiel mit einem Adressanhänger versehen, ist bei Schlüsselverlust besondere Vorsicht geboten. Es reicht in diesem Fall nicht, lediglich ein Schloss auszutauschen. Alle mit dem Schlüssel erreichbaren Schlösser müssen ausgewechselt werden. Dies kann schnell zu sehr hohen Summen führen, besonders wenn der Generalschlüssel verloren wurde und die gesamte Anlage ausgetauscht werden muss. Einige Haftpflichtversicherungen versichern auch gegen Schlüsselverlust. In jedem Fall sollte man allerdings am Schlüsselbund niemals einen Adressanhänger befestigen.

Mechatronische Schließanlagen

Mechatronische Schließanlagen sind den mechanischen Anlagen sehr ähnlich. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Typen ergibt sich aus elektronischen Komponenten, die zum einen in den Schlüsseln und zum anderen in den Zylindern verbaut werden können. Mit diesen Komponenten bieten sich deutlich umfangreichere Möglichkeiten, die Zutrittsberechtigungen zu regeln.

Vorteile mechatronischer Schließanlagen

Mechatronische Schließanlagen lassen sich in den meiste Fällen flexibel an die jeweiligen Erfordernisse anpassen. Anders als mechanische Versionen können ihre elektronischen Komponenten leicht neu programmiert werden. Daraus ergeben sich vor allem nach dem Einbau einer mechatronischen Schließanlage Kostenvorteile, die den höheren Anschaffungspreis rechtfertigen. Auch können bei mechatronischen Schließanlagen verlorene Schlüssel gesperrt werden und die Berechtigungen bereits ausgegebener Schlüssel verändert werden.

Mechatronische Schließanlagen werden vor allem im gewerblichen Bereich, d.h. in Unternehmen eingesetzt, wo die Vorteile der komfortablen und flexiblen Verwaltung von Zutrittsberechtigung am ehesten ausgenutzt werden können.

Weiterentwicklung mechatronischer Schließanlagen: Elektronische Schließanlagen

Die ultimative Weiterentwicklung stellen die sogenannten elektronischen Schließanlagen dar, bei denen auf mechanische Komponenten weitestgehend verzichtet wird. Als Schlüssel dienen hierbei vor allem Transponder in Form von Karten oder Anhängern, aber auch aktive Sender sind möglich. Gleichzeitig lassen sich bei diesen Anlagen die Zutrittsberechtigungen ebenfalls sehr flexibel gestalten und im Nachhinein ändern. Teilweise können dazu sogar Online-Portale genutzt werden, so dass es nicht einmal erforderlich ist, die einzelnen Zylinder vor Ort zu bearbeiten. Zur Erhöhung der Sicherheit lassen sich elektronische Schließanlagen schließlich mit diversen Komponenten, darunter Geräte zur Erkennung von biometrischen Merkmalen oder zum Beispiel mit PIN-Code-Eingabefeldern, ergänzen. Darüber hinaus werden auch sie häufig im gewerblichen Bereich eingesetzt. Weitere Informationen über elektronische Zutrittskontrolle findest Du hier.

Verschiedene Typen von Schließanlagen

Neben den unterschiedlichen Bauarten lassen sich auch verschiedene Typen von Schließanlagen unterscheiden. Die gängigste Einteilung unterscheidet Zentralschließanlagen, Hauptschließanlagen und Generalhauptschließanlagen.

Zentralschließanlage

Zentralschließanlagen sind Schließanlagen mit mehreren unterschiedlichen Schlüsseln und einem oder mehreren Zentralschließzylindern. Sie werden vor allem in Mehrfamilienhäusern eingesetzt, in denen die Mieter oder Eigentümer dann nur jeweils einen einzigen Schlüssel für alle Türen nutzen können. Dabei sind die Zylinder in Türen zu Gemeinschaftsbereichen gleichschließend während sich nur jeweils eine bestimmte Wohnungstür mit dem jeweiligen Schlüssel öffnen lässt. Das ist besonders komfortabel, da sich auch zusätzliche Privaträume, wie z.B. eine Garage, aber auch der Briefkasten, in zentrale Schließanlagen integrieren lassen.

Da es sich bei Zentralschließanlagen in den meisten Fällen um rein mechanische Schließanlagen handelt, kann ein Schlüsselverlust sehr teuer werden. Auch die Zutrittsberechtigungen lassen sich entsprechend nur sehr schwer nach dem Einbau ändern.

Hauptschließanlage

Hauptschließanlagen zeichnen sich dadurch aus, dass mit einem Schlüssel sämtliche Zylinder innerhalb der Anlage auf- und zugeschlossen werden können. Sie werden typischerweise im gewerblichen Bereich und dort vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen eingesetzt. Während sie in der Benutzung sehr komfortabel sind, ist das Sicherheitsniveau durch das Konzept vergleichsweise gering. Zutrittsberechtigungen lassen sich lediglich auf einen bestimmten Nutzerkreis, nämlich die Schlüsselinhaber, begrenzen. Gesonderte Sicherheitsbereiche lassen sich nicht einrichten. Bei einem Verlust ist außerdem die gesamte Anlage inkl. sämtlicher Zylinder auszutauschen, was demgemäß kostenintensiv ist.

General-Hauptschließanlagen

Auch die General-Hauptschließanlage wird vor allem im gewerblichen Bereich eingesetzt. Die Funktionsweise ist der einfachen Hauptschließanlage sehr ähnlich. Der Funktionsumfang wurde allerdings aus bestimmten Gründen, meistens jedoch zur differenzierten Regelung der Zutrittsberechtigungen, erweitert. Schlüssel, die sämtliche Zylinder schließen können, werden Generalschlüssel genannt und steht im Regelfall insbesondere der Geschäftsführung oder solchen Mitarbeitern zur Verfügung, die tatsächlich Zugang zu sämtlichen Bereichen benötigen. Ansonsten werden Hauptgruppen- und Gruppenschlüssel unterschieden, die jeweils nur einen bestimmten Teil der Zylinder bzw. die Zylinder in vorher festgelegten Bereichen schließen können. Trotz der Vorteile durch die verbesserte Berechtigungsverwaltung, sind auch bei diesen Anlagen nachträgliche Änderungen nur sehr schwer möglich. Außerdem müssen auch bei ihnen im Falle des Verlustes zumindest die Zylinder innerhalb einer Gruppe bzw. Hauptgruppe vollständig ausgetauscht werden.

Kennzeichnung von Schließanlagen

Um Schlüssel später einfacher zuordnen zu können, wird für alle Schließanlagen prinzipiell ein sogenannter Schließplan erstellt. Der Schließplan enthält die Zuordnungen sämtlicher Schlüssel zu den jeweiligen Schlössern bzw. Zylindern und legt die jeweilige Bauform fest. Der Schließplan kann grundsätzlich auch als Basis für die spätere Verwaltung der Zutrittsberechtigungen betrachtet werden. Die Kennzeichnung der Schlüssel erfolgt dabei in Form von Schlüsselprägungen am Griff, aber auch an den Zylindern selbst. Die einzelnen Prägungen erfassen dabei zumindest die eindeutige, registrierte Nummer der Schließanlagen, die spätestens bei Noteinsätzen der Feuerwehr oder anderer Rettungskräfte sehr wichtig sein kann. Außerdem sind verschiedene Kombinationen aus Ziffern und Buchstaben möglich, mit denen sich dann die Schlüssel unter anderem einzelnen Gebäuden, Wohnungen oder Räumlichkeiten und Bereichen zuordnen lässt.

Im Regelfall wird schließlich zu jeder Schließanlage eine sogenannte Sicherungskarte ausgestellt, die als Eigentumsnachweis dient. Sie soll insbesondere verhindern, dass Unbefugte an Nachschlüssel oder Duplikate gelangen. Die Verwahrung der Karte obliegt dabei grundsätzlich dem jeweiligen Eigentümer der Anlage.

Wenn Du Dich ausgesperrt hast

Hast Du Dich aus einer Wohnung ausgesperrt, die Teil einer Schließanlage ist, kannst Du zuallererst die Hausverwaltung anrufen. In einigen Fällen gibt es dort einen Generalschlüssel, mit dem die Wohnungstür wieder geöffnet werden kann. Ist das nicht der Fall, helfen wir Dir bei der Suche nach einem seriösen Schlüsseldienst in Deiner Nähe (weitere Infos findest Du auf unserer Startseite).

Hast Du deinen Wohnungsschlüssel verloren, solltest Du in jedem Fall auch schnellstmöglich die Hausverwaltung oder den Vermieter informieren. Sollte der Vermieter einen Austausch der gesamten Schließanlage fordern, setze Dich mit Deiner Versicherung in Kontakt, ob diese die Kosten tragen. Auch kann der Vermieter nicht bei jedem Schlüsselverlust einen Austausch der kompletten Schließanlage fordern. Es lohnt sich also, sich genau zu informieren bevor man die Rechnung zahlt.