Hinweise zum Wohnungsschutz

Gebäude mit Ausstattungsmerkmalen wie einbruchshemmende Türen, Gegensprechanlagen mit Videofunktion oder Alarmanlagen spielen bei einer Kauf- oder einer Mietentscheidung eine immer wichtigere Rolle. Mit der steigenden Zahl von Einbruchsdelikten nimmt auch das Sicherheitsbedürfnis der Bürger immer weiter zu. Immerhin ist die Zahl der Wohnungseinbrüche ist seit 2009 deutlich angestiegen und erreichte 2015 einen Rekordwert. Hier findest Du mehr über die polizeiliche Kriminalstatistik. Neben organisierten Banden aus Osteuropa, die gezielt Einbruchsdelikte in einer Region verüben und danach weiterziehen, stiegen auch Delikte, die mit Suchterkrankungen bzw. einer Beschaffungskriminalität einhergehen.

Gaunerzinken weisen Einbrechern den Weg

Vor allem bei den reisenden Täterbanden findet der so genannten Gaunerzinken eine wichtige Funktion. Gaunerzinken sind Hinweise die in Vorbereitung eines Einbruchs als Markierung für Komplizen an der Hauswand angebracht werden. Merkwürdig erscheinende Kreidezeichen an Hauswänden und Hauseingängen sollten deshalb alle Hausbewohner hellhörig machen. Im Zweifel handelt es sich dabei nämlich nicht um harmlose Kinderschmierereien. Ganoven kundschaften ihre Objekte vorab aus und setzen Gaunerzinken zur Kommunikation ein. Ein Kreuzzeichen etwa bedeutet, dass die Bewohner Kirchgänger sind und eine entsprechende rührselige Geschichte den gewünschten Zutritt zur Wohnung verschaffen kann. Mehrere kleine Kreise, die Münzen ähneln, bedeuten, dass mit guter Beute zu rechnen ist. Auch für bissige Hunde oder Polizeibeamte, die in der Hausgemeinschaft wohnen, gibt es spezielle Zinken. Deshalb mahnt die Polizei bei verdächtigen Kreidezeichen zu einer verstärkten Vorsicht.

Das folgende Bild zeigt Dir einige Gaunerzinken im Detail. Unter diesem Link findest Du bei Wikipedia weitere Zeichnungen von Gaunerzinken. Generell gilt: wenn Du eine verdächtige Schmiererei entdeckst, solltest Du diese fotografieren, der Polizei zeigen und schnellstmöglich entfernen.

Gaunerzinken an Hauswänden weisen Einbrechern und Betrüger den Weg. So können Gaunerzinken aussehen.

Gaunerzinken an Hauswänden weisen Einbrechern und Betrüger den Weg. So können Gaunerzinken aussehen.

 

Tricks verschaffen den Eintritt in die Wohnung

Um sich Zutritt in eine Wohnung zu verschaffen, muss allerdings nicht immer ein Einbruch vollzogen werden. Viel zu oft erschleichen sich Gauner den Zutritt über das Vertrauen oder die Gleichgültigkeit der Mieter oder des Hausbesitzers. Aktuell bekannt ist der so genannte Enkeltrick, der zum Teil auch direkt an der Wohnungstür durchgeführt wird. Die Polizei informiert hier über die genauen Details. Auch Scheingeschäfte an der Haustür lenken vom Diebstahl ab, den eine zweite Person im Hintergrund durchführt.

Über Einbruchschutz, rechtliche und versicherungsrelevante Regelungen

Alle zwei Minuten wird in Deutschland in eine Wohnung oder ein Haus eingebrochen. Obwohl über 40 Prozent der Einbruchsversuche scheitern, bleiben immer noch viel zu viele Maßnahmen ungenutzt, um einen Einbruch zu verhindern, oder den Haushalt mit einer angemessenen Sicherungstechnik auszurüsten. Auf der Webseite http://www.polizei-dein-partner.de/ findest Du das Präventionsportal der Deutschen Polizei. Dort sind viele Hinweise zu aktuellen Tricks der Einbrecher und Tipps zum Einbruchschutz vermerkt.

Präventivmaßnahmen für Mietwohnungen

In einem Mehrfamilienhaus müssen Vermieter in der Regel nur für eine verschließbare Eingangs- und Wohnungstür Sorge tragen. Eine sicherheitstechnische Aufrüstung auf Kosten des Vermieters nach Vertragsabschluss zu verlangen führt für den Mieter nur dann zum Erfolg, wenn die Einrichtungen nach dem Einzug des Mieters als mangelhaft deklariert werden. Zusätzliche Einbruchsicherungen aber gehen immer zu Lasten des Mieters. Hierbei ist zu beachten, dass bei Installationen die die Gebäudesubstanz berühren, der Vermieter vorab um Erlaubnis gefragt werden muss. Sofern nicht anders vereinbart, hat der Mieter zudem bei Mietende den ursprünglichen Zustand der Wohnung wiederherzustellen. Bei hochwertiger Sicherheitstechnik empfiehlt es sich daher, mit dem Vermieter eine entsprechende Vereinbarung zum Einbau schriftlich zu vereinbaren, um einen aufwändigen Rückbau zu vermeiden.

Wenn man jedoch eine Wohnung bezieht, die als besonders einbruchsgefährdet eingestuft ist, etwa weil es in der Vergangenheit mehrfach zu Einbrüchen gekommen ist, kann der Vermieter mit zur Verantwortung gezogen werden. In diesem Fall muss der Vermieter auf eigene Kosten für ausreichende Sicherungsvorkehrungen zum Schutz des Mieters sorgen.

Nicht zu vergessen: Bauliche Veränderungen zur Verbesserung der Einbruchssicherheit können eine Erhöhung der Miete nach sich ziehen. Ähnlich wie Modernisierungsmaßnahmen kann der Vermieter einen entsprechenden Wertverbesserungszuschlag von bis zu 11 Prozent auf die Miete erheben.

Einbruchschutz – die richtige Versicherung

Um den Verlust von Möbelstücken oder Elektrogeräten abzudecken, empfiehlt sich der Abschluss einer geeigneten Versicherung, in der Regel eine Hausratversicherung. Zum Hausrat zählen auch Gegenstände für den Ge- oder Verbrauch, z. B. Geschirr und Besteck aber auch Kleidung, Bücher und Essensvorräte. Um eine Unterversicherung zu vermeiden, sollte eine individuelle Versicherungssumme für seinen Hausrat ermittelt werden, zumindest aber ist die Orientierung an einem Richtwert sinnvoll, der derzeit bei einer Versicherungssumme von 650 € pro Quadratmeter liegt. Damit Versicherungsnehmer im Schadensfall ausreichend abgesichert sind, müssen bestimmte Verhaltensregeln eingehalten werden, ansonsten handeln Versicherungsnehmer grob fahrlässig bzw. leichtfertig und riskieren den vollen Versicherungsschutz. Es ist daher ratsam, bei der Versicherung über vorgeschriebene oder zusätzliche Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln anzufragen.

Wie man sich nach einem Einbruch verhält

Bei einem Einbruch sind unbedingt sofort die Polizei und anschließend auch die Versicherung zu informieren. Um wertvolle Hinweise und Spuren nicht zu beschädigen, darf bis zum Eintreffen der Polizei am Tatort nichts verändert werden. Für die Versicherungsgesellschaft sollte eine Wertsachenliste erstellt werden. Beim Einbruch beschädigte Gegenstände sollten bis zur vollständigen Schadensklärung aufbewahrt werden.

Sofern ein Täter überführt wird, ist er gesetzlich dazu verpflichtet, für die Kosten des verschuldeten Schadens aufzukommen. Um als Geschädigter seine Ansprüche geltend machen können, muss eine Zivilklage eingereicht worden sein, wobei er die Kosten und das Risiko hierfür selbst zu tragen hat. Da einige Rechtsschutzversicherungen für finanzielle Aufwendungen vor Gericht aufkommen ist es sinnvoll, sich eingehender bei den Versicherungsunternehmen zu erkundigen. Bei einem Strafverfahren entscheidet das Gericht in dem sogenannten Adhäsionsverfahren über Anspruch und Höhe der Schadensersatzleistungen und des Schmerzensgeldes.

Staatliche Förderung und Steuervorteile

Sowohl Mieter als auch private Eigentümer können finanzielle Zuschüsse beantragen, um ihre Wohnung oder ihr Haus einbruchssicherer zu gestalten. Haushalte können für den Einbau einbruchhemmender Produkte auf KfW-Fördermaßnahmen zurückgreifen. Im Rahmen des Programms „Altersgerecht Umbauen“ fördert die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) seit 2016 Maßnahmen wie den Einbau von einbruchshemmenden Türen oder Gittern bzw. Alarmanlagen sowie Eingangsüberwachung. Bis 2017 stellt das Bundesbauministerium hierfür jedes Jahr insgesamt 10 Millionen Euro zur Verfügung. Es werden 10 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst, sofern die Mindestinvestition zum Einbruchschutz bei 2.000 Euro liegt. Der geförderte Höchstwert beträgt 1.500 Euro.

Zudem können in einigen Fällen Handwerkskosten für den Einbau oder die Nachrüstung von anerkannter Sicherheitstechnik steuermindernd berücksichtigt werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen unter § 35a EStG zur „Steuerermäßigung bei Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen“ eingehalten worden sind.

Tipps in Sachen Einbruchschutz

Weit über ein Drittel aller Wohnungseinbrüche werden durch „Tageswohnungseinbrecher“ begangen, während einer kurzen Abwesenheit des Bewohners, zur Schul-, Arbeits- oder Einkaufszeit, gerne auch am frühen Abend oder an den Wochenenden. Solche Einbrüche am Tag ereignen sich mehrheitlich in Großstädten. Zudem suchen sich Einbrecherbanden oft ganze Wohnviertel aus und räumen dort in kurzer Zeit ausgespähte Häuser und Wohnungen aus.

Im Rahmen des Programms Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) berät die Polizei bundesweit interessierte Bürgerinnen und Bürger über Kriminalität und Möglichkeiten ihrer Verhinderung. Mit Informationsmitteln wie Merkblättern, Fachinformationen oder interaktiven CDs kann sich jeder Interessierte über konkrete Sicherheitsmaßnahmen und vorbeugende Mittel informieren. Auch auf der Webseite www.polizei-beratung.de informiert und berät die polizeiliche Kriminalprävention de umfassend zum Thema Kriminalität und Sicherheit.